Jesus ja, Kirche nein!?!

Immer mehr Christen verlassen die katholische Kirche.

17.02.2009 Christian Schultze

Skandale, Fehlentscheidungen und weltabgewandte Rückständigkeit kosten die katholische Kirche immer mehr Mitglieder. Viele Christen verlassen enttäuscht die Kirche.

Vor allem die katholische Kirche hat seit vielen Jahrzehnten mit steigenden Austrittszahlen zu kämpfen. Immer mehr Christen entschließen sich, ihr Leben zwar nach den Lehren Jesu zu gestalten, ihren Alltag aber ohne Zugehörigkeit zur katholischen Kirche zu verbringen. Für sie ist es zwar wichtig, sich als Christen zu bezeichnen, die Zugehörigkeit zur Kirche hat aber nur wenig Bedeutung. Wie kommt es zu diesem Mitgliederschwund und zur inneren Abkehr vieler Menschen von der katholischen Kirche?

Die Kirchensteuer ist ein Grund für viele Austritte

In einer Zeit, in der viele Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, entscheiden sich viele aufgrund von Sparmaßnahmen, aus der Kirche auszutreten. Auch wenn der zu leistende Beitrag im Gegensatz zu anderen, zu zahlenden Steuerabgaben relativ gering ist, so begründet eine steigende Zahl von Austretenden ihren Schritt mit dem Wunsch, das Geld anderweitig einsetzen zu wollen. Alle eingenommenen Steuergelder werden für durchaus wichtige Anliegen eingesetzt. Dazu gehören Personalkosten ebenso wie Zuschüsse für Kindergärten, Krankenhäuser, kirchliche Schulen oder Sozialstationen. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung eines Austrittes, der Kirchensteueren sparen soll, spielt sicherlich auch die Tatsache, dass viele gar nicht wissen, wie die Kirche das durch die Steuer eingenommene Geld verwendet. Hier wäre eine verstärkt betriebene Aufklärungsarbeit und Transparenz vonnöten, um Interessierten Auskunft geben zu können, was mit den Kirchensteuereinnahmen geschieht.

Die strenge Hierarchie der katholischen Kirche schreckt viele ab

Unsere Gesellschaft ist zwar christlich aber auch freiheitlich und demokratisch geprägt. Deshalb tun sich heutzutage viele mit der hierarchisch strukturierten Kirche und ihrem strengen Regelwerk sehr schwer. Vor allem in Deutschland, wo die Menschen früherer Zeiten für Freiheit und Demokratie gekämpft haben, können sich immer weniger Menschen mit dem Gedanken anfreunden, in einer hierarchisch geführten Gemeinschaft heimisch zu werden oder länger zu sein. Zu stark ist der Drang nach eigenverantwortlichem Leben, zu groß der Wunsch, an wichtigen Entscheidungen teilzuhaben. Aus diesen Gründen ziehen es viele vor, aus der Kirche auszutreten und sich auf diese Weise den existierenden Zwängen der Institution Kirche zu entziehen.

In einer unglaubwürdigen Kirche möchte niemand Mitglied sein

Die Diskussionen der letzten Wochen um den wieder in die Kirche aufgenommenen Holocaust-Leugner Williamson haben es wieder mehr als deutlich gemacht: Die Kirche hat ein großes Talent, die Gläubigen durch fragwürdige Entscheidungen vor den Kopf zu stoßen und sich so ins Abseits zu stellen. Egal, ob es um die Wiederaufnahme von erzkonservativen Schismatikern, pädophile Kleriker oder in Beziehungen lebende Pfarrer geht, alles wird unter einem Mantel der Verschwiegenheit verborgen, damit nur keine Skandale am Image der Kirche kratzen. Aber auch gegenüber Geschiedenen Wiederverheirateten, Homosexuellen und Frauen zeigt sich die katholische Kirche rückständig. Die Botschaft der Barmherzigkeit wird zwar allerorts gepredigt, aber nicht in aller Konsequenz gelebt. Alle diese Ereignisse und Vorgehensweisen werden heute vom Kirchenvolk nicht mehr wort- und kritiklos hingenommen. Die Mehrzahl der katholischen Christen ist heute mündig und meldet sich verstärkt zu Wort, auch gegen die Kirche. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass viele sich von der katholischen Kirche ganz bewusst abwenden, weil sie sie als unglaubwürdig und rückständig erleben und nicht selten an ihr leiden.

Viele wenden sich von der katholischen Kirche ab und suchen Alternativen

Der Mensch ist stets auf der Suche nach dem Größeren und einem spirituellen Weg, den er beschreiten kann. Denn trotz aller Fähigkeiten, über die der Mensch heute verfügt und trotz mancher Überlegenheit ist vielen doch bewusst, dass sie nur Teil eines größeren Ganzen sind. Bisher war die Kirche eine Möglichkeit, Sinnfülle zu erfahren und sich dieser Fülle im Rahmen einer Gemeinschaft anzunähern. Inzwischen erleben aber auch andere Religionen wie beispielsweise Buddhismus, Hinduismus oder andere Formen religiösen Lebens einen regen Zulauf auch aus den Reihen europäisch und damit christlich geprägter Menschen. Eine positive Grunderfahrung dieser Religionen ist die Freiheit im Handeln und die nicht oder nur mäßig vorhandene Reglementierung durch institutionelle Stellen. Im Gegensatz zur katholischen Kirche wird in anderen Religionen sehr viel mehr Wert auf die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen gelegt. Sicherlich ist auch die Exotik mancher Religionsgemeinschaft ein Grund für ihre große Anziehungskraft.

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